Anspruchsdenken

Samstag, November 29th, 2008

Ich spiele jetzt mal eine – natürlich rein fiktive – Notrufsituation durch, die auch noch verkürzt dargestellt wird:

Anrufer: Guten Abend, ich brauche sofort einen Rettungswagen für meinen Kumpel, der hat eine Alkoholvergiftung!
Leitstelle: Wo sind Sie denn?
A: In Mittelstadt bei der Disko Spackenhaus, Sie müssen sofort kommen!
L: Wo denn dort genau? Drinnen, auf dem Parkplatz?
A: Draussen, ist doch egal Mann, kommen Sie endlich!
L: So, kann man sich mit Ihrem Kumpel noch unterhalten?
A: Was?
L: Spricht er noch mit Ihnen normal, mal abgesehen davon, daß er besoffen ist?
A: Ja.
L: Gut, also schonmal keine Alkoholvergiftung. Was stellen Sie sich denn vor, was jetzt passieren soll?
A: Sie müssen endlich mal kommen, er hat auch heftiges Nasenbluten!
L: Mmmhmm, wie lange denn schon?
A: Seit einer Stunde.
L: Also ist das auch nicht wirklich heftig…
A: Ihm gehts verdammt nochmal schlecht, er liegt auf dem Boden und friert!
L: Ich würde auch frieren, wenn ich auf dem Boden liegen würde, warum steht er nicht auf?
A: Er kann das nicht mehr alleine!
L: Dann helfen Sie ihm…
A: Alter, wo bleibt der Rettungswagen?
L: Fassen wir zusammen: Er spricht, er kann sich Ihnen gegenüber artikulieren, er ist lediglich betrunken, was soll er dann im Krankenhaus…?
A: ?%&!%%§&!
L: Ich schicke Ihnen ein Fahrzeug, das wird ungefähr 15-20min dauern. Falls in der Zwischenzeit irgendwas vorfallen sollte, rufen Sie wieder an *seufz*

4min später:

A: Ich bins nochmal, Sie brauchen keinen Rettungswagen mehr schicken, ich habe ein Taxi bestellt, wir bringen Ihn nach Hause, schönen Tag noch!

In drei Wochen…

Freitag, November 28th, 2008

…ist es soweit…

Ich bin jetzt erstmal Rettungsdienstler vom Ruhen abhalten udn Feuerwehrleuten das Wochenende vermiesen.

Heldenepos

Sonntag, November 23rd, 2008

So, wie angedroht nun die Vorgeschichte:

Am Freitagnachmittag kam ich vom Lehrgang zurück, war noch kurz auf meiner Dienststelle und anschließend einkaufen.
Als ich dabei war die Einkäufe zu verstauen und meine Planungen für einen faulen Lenz auf dem Sofa meines Vetrauens nahezu abgeschlossen waren, wurde ich brutalstmöglich aus meiner Wohnung entfernt.
Schon die Meldung auf dem DME war goldig:

…Polnischer LKW pumpt Gefahrgut in Graben…

Ein ehemaliger Kollege von mir war übrigens auch da.

Nach vier Stunden Abwesendheit erwartete mich zuhause mein angebissener Kopenhagener und ein zickiger Computer. Diesen versuchte ich noch bis ca. 01:30 Uhr nachts zu bezähmen, wohl wissend, daß mein Wecker um 07:00 Uhr wieder gehen sollte. Geplant war ein Tagesausflug zur Leitstelle West inkl. zwölfstündigem Aufenthalt von 08:00 bis 20:00 Uhr mit im Preis inbegriffener PC-Bedienung.

Ein guter wohlfeiner Plan, der leider erneut durch meine Arbeitskollegen auf teuflische Art und Weise torpediert werden sollte!
05:10 Uhr durfte ich aufstehen, schon wieder mit Unterstützung eines Meldergeräusches. Mehr dazu auf Seiten des KFV Steinburg.

Nun ja, aber warum der Nacken?
War es die eisige Kälte auf der Bundesstraße oder der A23?
War es die Einsatzhektik?

Nein, es war die hektische Dusche um 07:50 Uhr bei mir zuhause. Wir erinnern uns, um 08:00 Uhr hätte ich auf der Arbeit sein sollen…

Eine Bitte

Sonntag, November 16th, 2008

Liebes fahrendes Volk,

auch ich zähle mich ja noch in regelmäßigen Abständen noch zu euch.
Und auch ich bin nicht mit allen Einschätzungen meiner Kollegen einverstanden.

Aber man muß es auch mal unmißverständlich klarstellen:
Auch wir als Disponenten versuchen per Telefon den Gesundheitszustand bestmöglich einzuschätzen. Das Gros der eurer späteren Klientel telefoniert nicht mehr selbst mit uns – was irgendwie auch logisch ist – sondern bedient sich Freunden, Verwandten, Pflegepersonal oder Fremden, um einen Notruf abzusetzen.
Genau deshalb kann eine Lageeinschätzung unsererseits auch nur so gut sein, wie an uns Informationen weitergetragen werden.
Ich erspare mir und den Lesern jetzt Fallbeispiele, aber fragt einfach mal die Kollegen, die in letzter Zeit ein Praktikum auf der Leitstelle gemacht haben, wie oft der Notrufteilnehmer einfach nur überfordert ist, die kranke Person nicht mal kennt oder, auch das gibt es, uns bewußt anlügt.

Glaubt uns, wir alarmieren nicht zum Spaß.
Wir könnten ein viel ruhigeres Leben haben, wenn wir bei Notfällen eben nicht die Fahrzeuge vorher zu sinnlosen Einsätzen rausgejagt hätten…

Klar, es ist viel einfacher ständig anzunehmen, daß ihr die einzigen Leidtragenden seid, es ist viel einfacher immer gleich loszumeckern und es ist vorallem viel einfacher sich für Klüger zu halten.
Aber versucht – nur mal als Abwechslung zwischendurch – ein bißchen Verständnis aufzubringen.

Sonst reißt auch mir irgendwann mal der Geduldsfaden.

Wichtig!

Donnerstag, November 13th, 2008

Man merke sich:
Auch wenn es vorher auf der Notrufleitung diverse Scherzanrufe gab und jetzt abermals Kinderschreien im Hintergrund zu hören ist, sollte man nicht laut “Jetzt reicht es aber” rufen.

Zumindestens nicht, wenn man nicht vorhatte, eine Hilfeersuchende Mutter zu erschrecken.

Gruß Herr Kollege ;)

Tonight

Mittwoch, November 5th, 2008

Kreis Pinneberg proudly presents:

Maestro Courvoisier und die Alarmierungjünger – Eine Komposition in E-Dur
Virtuos läutende Notrufleitungen, fast schon grotesk-anmutende Tastaturanschlagssymphonien, nur noch übertroffen von einer beherzten Rettungsmittelalarmierung – so vergeht die Nacht im Fluge und der Zuschauer kann sich nur noch atemlos zurücklehnen.
Mit brachialer Wucht weiß das heutige Leitstellentrio (-triumphirat) zu verzaubern, ein Genuß für jeden Blaulichtfan.

Karten gibts an der Abendkasse.

Guter Tag

Montag, November 3rd, 2008

Zum einen diese Nachricht hier, sehr schön :)

Und dann habe ich heute zwei “Alkoholleichen” wegdrücken können.
Dem einen Kumpel konnte ich verständlich machen, daß ein RTW kein Taxi für Besoffene ist und nicht jeder mit zwei Bier zuviel ins Krankenhaus muß.
Der anderen Dame konnte ich solange ins Gewissen reden, bis sie einen schlafenden Betrunkenen auf der Straße ansprach und so nur die Polizei aktiviert werden mußte.

Läuft!

Bad Guy

Mittwoch, Oktober 29th, 2008

Mein (neuer) Kollege versuchte letztens einer RTW-Besatzung zu erklären, warum sie noch einen weiteren Krankentransport im Anschluß fahren sollte:

“…und als ich sie fragte, ob sie nicht mit dem Taxi fahren kann, hat sie angefangen bitterlich zu weinen. Da habe ich mich wie ein schlechter Mensch gefühlt…”

Arbeitszeiten

Mittwoch, Oktober 29th, 2008

Warum zur Hölle fängt der durchschnittliche Arbeitstag eigentlich um 07:00 Uhr an?
Das bedeutet bei einem 25km-Arbeitsweg um 06:15 Uhr aufstehen, wenn ich mich noch vorher duschen und rasieren will.

Das sind dann maximal 5 Stunden Schlaf.

Wunscharbeitszeit, jetzt!

Rekrutierung

Samstag, September 27th, 2008

Neues Personal gesucht